Lin­ke Blo­cka­de im Neu­ber­in­haus Rei­chen­bach: Ober­bür­ger­meis­ter stellt sich gegen Bür­ger­dia­log

Der Säch­si­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te René Stand­ke und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mathi­as Wei­ser bre­chen Ver­trag ab – „Situa­ti­on nicht mehr tole­rier­bar“

Reichenbach/Vogtland – Der Ver­such, einen Bür­ger­dia­log im Neu­ber­in­haus Rei­chen­bach durch­zu­füh­ren, ist aus Sicht der betei­lig­ten Abge­ord­ne­ten an einer poli­tisch moti­vier­ten Blo­cka­de geschei­tert. Eine zen­tra­le Rol­le spielt dabei nach Wahr­neh­mung der Abge­ord­ne­ten das Ver­hal­ten des Ober­bür­ger­meis­ters der Stadt Rei­chen­bach, Hen­ry Ruß, sowie des Ein­rich­tungs­lei­ters des Neu­ber­in­hau­ses.

Über einen Zeit­raum von einem Drei­vier­tel­jahr bemüh­ten sich der Säch­si­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te René Stand­ke und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Wei­ser um einen Ter­min für einen Bür­ger­dia­log. Ziel war ein sach­li­cher Aus­tausch mit den Bür­gern – ein selbst­ver­ständ­li­cher und zen­tra­ler Bestand­teil demo­kra­ti­scher Man­dats­ar­beit.

Im Febru­ar wur­de schließ­lich ein Ter­min ver­bind­lich ver­ein­bart. Der für den 28.04.2026 ange­setz­te Bür­ger­dia­log war voll­stän­dig geplant und vor­be­rei­tet: Räum­lich­kei­ten, Büh­ne, Abläu­fe, Sicher­heits­vor­keh­run­gen, Wer­bung sowie die Ver­sor­gung der Besu­cher waren geklärt.

Doch im Anschluss ent­wi­ckel­te sich eine Situa­ti­on, die aus Sicht der Abge­ord­ne­ten nicht mehr tole­rier­bar war.

Trotz kla­rer Abspra­chen, trotz ein­deu­ti­ger Zustim­mung durch den Land­rat und trotz ent­spre­chen­der Wei­sun­gen der Geschäfts­füh­rung der Vogt­land Kul­tur GmbH wur­de die Durch­füh­rung der Ver­an­stal­tung durch den Ein­rich­tungs­lei­ter des Neu­ber­in­hau­ses blo­ckiert. Ver­ein­bar­te Abläu­fe wur­den nicht ein­ge­hal­ten, Unter­la­gen nicht über­mit­telt und der Bür­ger­dia­log letzt­lich unmög­lich gemacht.

Par­al­lel dazu wur­den durch den Ober­bür­ger­meis­ter sowie den Ein­rich­tungs­lei­ter Ver­su­che unter­nom­men, den Bür­ger­dia­log bereits im Vor­feld als Par­tei­ver­an­stal­tung ein­zu­ord­nen, um eine Durch­füh­rung zu ver­hin­dern – ohne dass hier­für belast­ba­re Nach­wei­se vor­ge­legt wer­den konn­ten.

Selbst eine juris­ti­sche Prü­fung durch den Säch­si­schen Städ­te- und Gemein­de­tag ergab kei­ne Beden­ken gegen die Durch­füh­rung eines Bür­ger­dia­logs.

Bemer­kens­wert ist in die­sem Zusam­men­hang, dass die Abge­ord­ne­ten bereits in ande­ren Ein­rich­tun­gen der Vogt­land Kul­tur GmbH, unter ande­rem in Auerbach/Vogtland und Mark­neu­kir­chen, ver­gleich­ba­re Bür­ger­dia­lo­ge durch­ge­führt haben. Sowohl die Pla­nung als auch die Durch­füh­rung ver­lie­fen dort rei­bungs­los und ohne jeg­li­che Bean­stan­dun­gen.

Für Stand­ke und Wei­ser steht daher fest, dass es sich bei den aktu­el­len Vor­gän­gen nicht um ein gene­rel­les Pro­blem der Ein­rich­tung oder der Trä­ger­struk­tur han­delt, son­dern um eine orts­be­zo­ge­ne Ent­wick­lung, die sich kon­kret auf den Stand­ort Rei­chen­bach beschränkt.

Beson­ders gra­vie­rend ist aus Sicht der Abge­ord­ne­ten, dass Abstim­mun­gen offen­bar außer­halb der vor­ge­se­he­nen Zustän­dig­kei­ten erfolg­ten. Hin­zu kom­men Äuße­run­gen und Ver­hal­tens­wei­sen vor Ort, die erken­nen las­sen, dass es hier nicht mehr um eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ging, son­dern um die geziel­te Ver­hin­de­rung eines Bür­ger­dia­logs gewähl­ter Abge­ord­ne­ter.

Für Stand­ke und Wei­ser ver­dich­tet sich damit der Ein­druck, dass hier poli­tisch moti­viert und nicht sach­lich gehan­delt wur­de.

In einer inter­nen Sit­zung wur­de die Situa­ti­on umfas­send auf­ge­ar­bei­tet. In die­sem Zusam­men­hang mach­te René Stand­ke dem Ober­bür­ger­meis­ter Hen­ry Ruß das Ange­bot, unab­hän­gig von poli­ti­schen Dif­fe­ren­zen zu einem respekt­vol­len und sach­li­chen Umgang zurück­zu­keh­ren. Nach Dar­stel­lung der Abge­ord­ne­ten wur­de die­ses Ange­bot deut­lich zurück­ge­wie­sen. Statt­des­sen habe der Ober­bür­ger­meis­ter erklärt, dass eine Zusam­men­ar­beit mit ihnen als Abge­ord­ne­te für ihn nicht infra­ge kom­me.

„Für uns ist das ein bemer­kens­wer­ter Vor­gang. Ein Bür­ger­meis­ter trägt Ver­ant­wor­tung für alle Bür­ger – nicht nur für eine poli­ti­sche Rich­tung“, so Stand­ke.

Aus Sicht der Abge­ord­ne­ten steht die­ses Ver­hal­ten exem­pla­risch für ein Ver­ständ­nis von Poli­tik, das den offe­nen demo­kra­ti­schen Wett­be­werb ein­schränkt.

„Wir haben über Mona­te hin­weg ruhig und lösungs­ori­en­tiert gear­bei­tet. Was wir dann erlebt haben, trägt aus unse­rer Sicht kla­re Züge einer poli­tisch moti­vier­ten Blo­cka­de“, erklä­ren Stand­ke und Wei­ser.

Vor die­sem Hin­ter­grund ent­schie­den sich bei­de Abge­ord­ne­te, vom Nut­zungs­ver­trag zurück­zu­tre­ten – auch weil die Sicher­heits­la­ge aus ihrer Sicht nicht mehr ver­läss­lich ein­ge­schätzt wer­den konn­te.

„Ein Bür­ger­dia­log kann nur dort statt­fin­den, wo Ver­läss­lich­keit, Respekt und kla­re Regeln gel­ten. Wenn die­se Grund­la­gen nicht mehr gege­ben sind, ist eine Durch­füh­rung nicht ver­ant­wort­bar“, erklärt Wei­ser.

Bei­de beto­nen zugleich, dass der Geschäfts­füh­rer der Vogt­land Kul­tur GmbH sowie der Land­rat durch­ge­hend für eine sach­li­che und demo­kra­ti­sche Lösung ein­ge­tre­ten sind.

„Umso deut­li­cher wird, dass es hier nicht um orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen ging, son­dern um poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me“, so Stand­ke und Wei­ser.

Für bei­de steht fest: Der Bür­ger­dia­log im Vogt­land wird fort­ge­setzt und soll auch künf­tig im Neu­ber­in­haus statt­fin­den.

„Wir las­sen uns nicht davon abhal­ten, unse­re Man­dats­ar­beit wahr­zu­neh­men. Der Aus­tausch mit den Bür­gern ist Kern unse­rer Auf­ga­be – und genau dafür ste­hen wir.“

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